Gefangen im Netz (Review): Eine erschreckende Doku, die jeder gesehen haben sollte.

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Ein tschechisches Filmteam hat 10 Tage lang sehr jung aussehende volljährige Frauen gefilmt, die in drei erstellten Kinderzimmern Kontakt über Social-Media Plattformen mit wesentlich älteren Männern aufgenommen haben. Das sie dabei mit über 2.000 Männern in Kontakt traten, welche zu über 20 Treffen am Ende führten hatte dabei wohl niemand gedacht.

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Wir steigen bei der Doku direkt in die Thematik ein, mit dem Casting der Frauen für die Rollen und ihren persönlichen Erfahrungen mit Missbrauch als Minderjährigen. Den das ist das Thema, welchem die Filmemacher*innen auf das Grundgehen wollen in dieser Doku. Sie wollen wissen wie, meistens ältere Männer, mit solchen jungen unschuldigen Kindern, welche sich immer als 12 Jahre alt ausgeben, umgehen und eventuell zu sexuellen Dingen treiben, die rechtlich verboten sind. 

Dabei provozieren sie die Männer nicht einmal, sondern direkt nach der Fake Profil-Erstellung der Kinder, werden sie schon von einigen aus eigeninitiative angeschrieben. So nimmt die Sache sehr schnell Fahrt auf und von einfachen Textkonversationen entwickeln sich schnell Videoanrufe über Skype. Was man hier zusehen bekommt, ist einfach nur noch ekelhaft. Männer die junge naive und schüchterne 12-Jährige dazu drängen sich vor der Kamera auszuziehen oder irgendwelche sexuellen Handlungen zu machen, damit sie sich selbst dabei befriedigen können. In der Doku werden die Gesichter der Männer zensiert, sowie ihre Geschlechtsorgane. Hier gibt es von den Filmemachern aber auch eine FSK 18 Version wo nur die Gesichter unkenntlich gemacht werden. Sie haben so eine unzensierte Version veröffentlicht, damit man als Zuschauer noch besser verstehen kann, wie sich die Mädchen und Darstellerinnen fühlen, wenn so etwas passiert.

Was wir in den Videocalls sehen, ist einfach nur noch schockierend. Von Typen, die direkt fordern, dass sie sich auszieht, bis hin zu super lieben Männern, die ihr so viel Zuspruch geben, nur um sie zu dingen zu drängen welche sie nicht möchten. Bei jedem Gespräch sagen die Mädchen, dass sie erst 12 Jahre alt sind und fragen schüchtern, ob das ein Problem ist. Das war es für keinen. Das beängstigende bei den Videokonferenzen war, wie bewusst die Typen die Unschuld der Mädchen ausgenutzt haben. Einer hat probiert ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, damit sie ihm mehr zeigt, ein anderer hat einfach ein nein nicht akzeptiert und 10x hintereinander gefragt, ob wohl sie deutlich zum Ausdruck gebracht hat, dass sie es nicht möchte. Haben die Mädchen nicht schnell genug, dass gemacht was die Typen wollen, haben die auch einfach direkt wieder aufgelegt. Was das Psychologisch bei einem wirklichen Kind auslösen würde, dass sie nur Bestätigung bei den Typen bekommen, wenn sie sich ausziehen, obwohl sie nur mit ihm schreiben wollen, ist echt kritisch.

An dieser Stelle muss man aber echt sagen, dass die drei Darstellerinnen, welche die Kinder spielen, einen großartigen Job gemacht haben. Wie sie in solchen ekelhaften Situationen immer noch in ihrer kindlichen naiven Rolle bleiben konnten und nicht vorher wussten, wie bspw. die Videotelefonate verlaufen werden und die Fragen der Filmemacher*innen eingebaut haben, war einfach nur eine großartige Leistung. Geschweige den, was die dabei alles sehen und durch Machen mussten, was ich niemanden wünschen würde.

Das klingt jetzt alles hart mit den Videotelefonaten, aber es ging noch weiter. Die Produktion hat Fotomanipulationen erstellt von den Mädchen, welche diese freizügig darstellten und diese dann an die Männer im Chat geschickt, um zu schauen, ob diese die Bilder verwenden werden, um die Mädchen zu erpressen und zu dingen zu zwingen, welche sie nicht machen wollen. Das dies dann in mehreren Fällen passiert ist, wundert dann wohl keinen Mehr, trotzdem bleibt es schockieren. 

Dabei zeigt die Doku aber auch ein positives Beispiel, welches zufällig bei einem Call passiert. Hier klärt ein 20-Jähriger das Mädchen darüber auf, wie andere Typen mit ihr auf den Plattformen umgehen und wieso es gut wäre, wenn sie keinen Fremden Typen irgendwelche Bilder von sich schicken sollte, da diese gegen sie verwendet werden könnten, sowie der Sex im Kontext von richtiger Liebe passieren sollte. Dieses Telefonat schockiert die komplette Produktion positiv und gibt Hoffnung, dass es auch gute Beispiele gibt und nicht alle die Mädchen ausnutzen.

Die Doku endet damit, dass sich die Mädchen mit 21 der Typen in einem verkabelten Café treffen und dort ein “Date” mit diesen haben. Dabei wollten die Filmemacher*innen, dass die Mädchen so viel aus den Typen herauslocken wie geht, damit sie später diese auch polizeilich damit konfrontieren können. Ein Typ, welchen die Mädchen dort kennengelernt haben, kannte eine Frau aus der Produktion persönlich und diesen konfrontieren sie am Ende mit ihrer Dokumentation, in dem sie ihn vor seinem Haus abfangen. Die tschechische Polizei hat auch Zugriff auf die Dokumentaraufzeichnungen bekommen um gegen die Männer ermitteln zu können. 

Was man hier der Doku wirklich zugutehalten muss, ist wie sie an das Thema herangehen. Das Projekt wird durchgehend von Psychologen, Kriminologen und Co. begleitet.

Diese Dokumentation ist das schockierendste, was ich seit Jahren gesehen habe. Sie ist nichts für schwache Nerven, trotzdem sollte sie sich jeder Erwachsene einmal angeschaut haben. Um ein Verständnis für die Größe der Problematik von Kindesmissbrauch zu bekommen und wie das Internet dieses für viele Täter begünstigt. Zudem zeigt es wie weit manche Menschen gehen würde, was ich mir bspw. vorher niemals erträumen würde.

Die Doku “Gefangen im Netz” ist ab dem 18. Februar 2021 in Deutschland voraussichtlich verfügbar. Ob eine FSK 18 Version, welche ich mir im tschechischen Original angeschaut habe, verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt. Für mehr Film & Serien Neuerscheinungen schau doch mal in unserem praktischen neuen Kalender vorbei.

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